Die Notwendigkeit der Vereinigung der Marxisten und das Marxist Revival Project

Posted: December 20, 2015 in Political Views

Es handelt sich hierbei um Maziar Razis Rede beim Marxist Revival Seminar in Hamburg  am 12. 07. 2014.

maziar razi

In der jetzigen Situation ist die Vereinigung der Marxisten auf internationaler Ebene auf der Tagesordnung. Das Konzept der Vereinigung beinhaltet aus der Sicht eines Marxisten die verzerrten Ansichten und Traditionen in der Arbeiterbewegung hinter sich zu lassen und auf dieser Basis  für die Intervention in der Arbeiterbewegung und Vorbereitung für eine sozialistische Revolution, die Komponenten der Vereinigung zu bestimmen.

Um die Komponenten der Konvergenz („Gemeinsamkeiten der unterschiedlichen Strömungen“) zu bestimmen, müssen Marxisten zu Karl Marx’ eigenen Theorien, analytischen Denkansätzen und Methoden zurückkehren.

Was ist unser Motiv?

Unser Motiv ist im Grunde genommen dasselbe wie jenes von Karl Marx selbst. Sich von den elitären Sozialisten, utopischen Sozialisten und den Philosophen seiner Zeit lossagend konnte Marx den Sozialismus in eine Wissenschaft überführen. Unsere Motivation ist es, die  Wissenschaft von der Befreiung der Menschheit zu aktualisieren und dadurch eine theoretisch fundierte Analyse der jetzigen Situation der Arbeiterbewegung zu ermöglichen. Mit anderen Worten: Wir wollen den Marxismus zum Gebrauch im 21. Jahrhundert neu definieren.

Indem wir uns von den verzerrten Deutungen solcher Kräften trennen, die nur dem Namen nach einen „Sozialismus“ oder „Marxismus“ vertreten, können wir den von Marx angestrebten authentischen und wissenschaftlichen Marxismus erreichen und die Vereinigung der Marxisten bewerkstelligen.

Ganz offensichtlich müssen wir eigene Vorschläge machen, um uns von diesen verzerrten Sichtweisen abzugrenzen.

Bevor wir unseren Ansatz erklären, ist es unerlässlich die marxistische Methode anzuwenden, um die Aufgabe und die Methodik der Arbeiterbewegung von heute zu prüfen und aus der jetzigen Situation die Notwendigkeit einer marxistischen Zusammenkunft auf internationaler Ebene und damit die Relevanz des Marxist-Revival-Projekts abzuleiten.

Was ist unser Ziel?

Unser endgültiges Ziel ist dasselbe, das auch Marx selbst anstrebte:  Die Bildung des Proletariats  zu einer Klasse, Sturz der Bourgeoisherrschaft sowie die Eroberung der politischen Macht durch das Proletariat.

Einhundertsechzig Jahre nachdem das Kommunistische Manifest erstmalig veröffentlicht wurde, gilt diese Theorie noch immer. Es besteht nicht nur kein Zweifel hinsichtlich ihrer Gültigkeit, sondern vielmehr wurde ihre Notwendigkeit noch nie stärker empfunden als heute. Außer einer groben Leitvorstellung hinterließ Karl Marx kaum Aussagen zu den Details und den verschiedenen Aspekten einer sozialistischen Gesellschaft, ebensowenig zu der Übergangsphase zur sozialistischen Formation, welche mit der Ergreifung der Macht durch das Proletariat beginnt, wodurch die sozialistische klassenlose Gesellschaft entsteht.

Sich auf Umrisse und Zukunftsperspektiven zu beschränken war kein Fall von theoretischer Schwäche. Im Gegenteil war es Marx‘ materialistische Auffassung der Geschichte und wissenschaftliche Methode, welche ihn klar vom kleinbürgerlich utopischen Sozialismus unterschied, der sich die Zukunft mit idealistischen festgelegten Plänen und Modellen vorstellte.

Marx glaubte das Proletariat und all seine schuftenden Verbündete würden nach dem Umsturz der bourgeoisen Herrschaft die neue Gesellschaft sorgfältig planen. Wie dem auch sei war Marx sich allerdings sicher, dass der Kapitalismus nicht mehr imstande war die Bedürfnisse der Mehrheit in der Gesellschaft zu befriedigen und daher gestürzt werden muss vom Proletariat, welche selbst das Produkt der Geburt und des Wachstums der kapitalistischen Verhältnisse ist und zu deren „Totengräber“ wird.

So wie Marx glauben auch wir, dass es im 21. Jahrhundert unsere Aufgabe sein wird Vorbereitungen für den Umsturz des Kapitalismus durch das Proletariat zu machen und eine neue Gesellschaftsordnung aufzubauen. Da der Kapitalismus Kriege und massive Zerstörung mit sich bringt, sprich mit massiver Zerstörung der produktiven Stärke, die Menschheit zur Regression treibt. Demzufolge waren hauptsächlich die Arbeiterklasse und die unterdrückten Massen der Welt fortwährend die Opfer dieser Konflikte und die Kapitalisten schlugen enorme Profite aus dem Krieg. All das beweist nicht nur den Zustand der Degradierung und den Zerfall des Weltkapitalismus, sondern demonstriert auch das Dilemma, das der Menschheit gegenübersteht: „Sozialismus oder Barbarei“. Die Arbeiterklasse als wirklicher Produzent wird, letzendlich aufbauend auf seine eigene Kraft, indem sie eine soziale Revolution organisiert, Niederlagen und Siege aushält, eine neue Ordnung gründen. Eine neue Ordnung, welche gewiss die Interessen der Menschheit erfüllt. Dies wird das kommunistische System, indem schließlich das Prinzip von „Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen“ realisiert wird.

Was ist unsere Methode?

Die Vereinigung der Marxisten in Anlehnung an Marx‘ Lehren kann nur durch die kritische revolutionäre praktische Tätigkeit realisiert werden.

Marx sagt in seiner Feuerbachkritik „Thesen über Feuerbach“, dass Feuerbach, wie auch die Materialisten vor ihm, „ nicht die Bedeutung der ‚revolutionären‘, der ‚praktisch-kritischen‘ Tätigkeit“ begriffen hätten. (Erste These). Das Adjektiv „kritisch“ soll den Bedarf, die Wurzeln der aktuellen Situation der Arbeiterkämpfe zu finden, aufzeigen;

„revolutionär“ bedeutet das Ziel ist es die aktuelle Situation zu ändern und umzugestalten; „praktisch“ bedeutet zielbewusste Handlung, oder bewusste Aktivität.

Wir sollten ebenfalls die gleiche Methode für die Vereinigung der Marxisten verwenden, um den Marxismus als Wissenschaft zu redefinieren – die Wissenschaft von den Bedingungen der Befreiung der Arbeiterklasse.

Was sind die Gründe für die Absicht der Vereinigung der Marxisten?

Was ist die aktuelle politische Weltsituation? Heute, in der jetzigen Situation des Kampfes der Arbeiterklasse,  sind wir Zeuge von zwei Seite an Seite stehenden Phänomenen. Um diese Phänomene zu sehen und zu verstehen, benötigt man weder spezielle Analysen, oder anstrengende Diskussionen: Jeder kann sie sehen.

Das erste Phänomen ist der Protest von Millionen von Menschen gegen die systematischen Bedrohungen und Angriffe des Kapitalismus. Insbesondere in den letzten fünf Jahren, während der laufenden Kämpfe waren die Massen in der Lage ein besseres Verständnis vom wirklichen Charakter des Kapitalismus und den Staaten, die diese beschützen, zu entwickeln. Infolge der dreißigjährigen Herrschaft des Neoliberalismus, womit eine weltweite Stagnation der Klassenkämpfe einherging, erleben wir in den letzten fünf Jahren Proteste und Aufstände von Millionen aus aller Welt. Die wahre Natur der Banken, Finanzzentren und kapitalistischen Staaten als deren Beschützer sind nun vor allen Augen der Massen enthüllt. Die Aufdeckung von unzähligen Dokumenten und Belegen haben den Mythos vom „Recht auf Datenschutz“ der Bürger entlarvt.

Wenn wir, die Marxisten, vor nicht allzu langer Zeit behaupteten, dass die Banken und Finanzinstitutionen die Menschen betrogen und ausgenutzt haben, würde uns niemand Beachtung schenken. Wenn wir behaupteten, die kapitalistischen Staaten sind die Sponsoren der Banken, würde uns niemand Beachtung schenken. Doch nun braucht man dieses Thema nicht zu erwähnen. Heute haben Millionen aus aller Welt, von Griechenland bis hin zu Spanien, Latein Amerika und Nord Afrika, die auf die Straße gehen und gegen die sozialen Sparprogramme und Einschränkungen protestieren, dieses Bewusstsein erreicht.

Die Veröffentlichungen von Julian Assange und Edward Snowden (und anderen Aufdeckern) haben dieses Bewusstsein verstärkt. Die Massen haben auf internationaler Ebene ein antikapitalistisches und sogar sozialistisches Bewusstsein erreicht. Mit einer kritischen Ansicht verlangen sie eine Veränderung des aktuellen Zustandes. Sie fordern sich vom Kapitalismus loszureißen und wollen aus diesem System herauskommen.

Das zweite Phänomen ist, dass sich trotz der Veränderung der Lage und des Bewusstseins der Massen zu Gunsten einer Revolution keine soziale Revolution ereignet hat. Die Marxisten, die sich über drei Jahrzehnte in ihren eigenen Organisationen für solch einen Tag vorbereitet haben, um die Massen  zu einer sozialen Revolution zu führen waren entweder komplett abwesend oder ihre Präsenz in der Kalkulation der Klassenkämpfe war unbedeutend und schwach. Die Marxisten sind gespalten und verstreuter denn je. Die politische und organisatorische Krise über ein weites Spektrum der Marxisten hat sich verschlimmert. Die theoretische Krise ist spürbar. Die Grundüberzeugungen des Marxismus und besonders Karl Marx selbst wurden beiseite geworfen und sogar unter einen Schutthaufen von theoretischen Unstimmigkeiten, Rechthaberei  und ideologischen Auffassungen begraben. In den Konflikten und Kriegen zwischen den Imperialistischen Staaten und den reaktionären kapitalistischen Staaten im mittleren Osten haben einige der „Marxist“ Organisationen stillschweigend oder ausdrücklich mit dem Imperialismus während andere mit den reaktionären Regimen der Region Partei ergriffen. Bürokratie, Abspaltungen und widersprüchliche Ansichten sind in den verschiedenen marxistischen Gruppen verbreitet. Die Wahrheit ist, dass die Wissenschaft der Arbeiterbewegung verfälscht und in Vergessenheit geraten ist. Außerdem besteht global eine Glaubwürdigkeitskrise des Sozialismus, ausgelöst von den abweichenden „sozialistischen Camps“ wie etwa der UdSSR, China und deren abhängige Staaten. Die bewusste und systematische Verfälschung der Grundideen des Marxismus von der Moskau Akademie für Wissenschaften auf der einen Seite und der praktischen Kooperation von Moskau und Beijing mit der Bourgeoisie gegen die Arbeiter- und Kommunistenbewegung auf der ganzen Welt auf der anderen Seite haben der Arbeiterklasse international massiven und desaströsen Schaden zugefügt. Konsequenterweise zweifeln Millionen aus der Arbeiterklasse an dem Sozialismus. In den Augen von Millionen Arbeitern auf der Welt wurde die Glaubwürdigkeit des Sozialismus untergraben.

Stellt man diese beiden Phänomene gegenüber, stellt man fest: Die Massen sind bereit für eine sozialistische Revolution, aber die Marxisten sind in der Krise und daher nicht imstande zu intervenieren und die Massen zu ihrem Ziel zu führen, den Kapitalismus zu vernichten und einen Sozialismus aufzubauen.

Um diese schreckliche Situation zu überwinden, müssen die Marxisten sich um eine Lösung bemühen. Die Lösung ist die selbe wie zu Marx‘ Zeit: Die Wissenschaft der Befreiung des Proletariats zu aktualisieren und zu entwickeln und sich von den elitären und utopischen Ansichten, die den Marxismus hindern loszusagen, indem man die kritische revolutionäre praktische Tätigkeit anwendet.

Was sind die Voraussetzungen für die Wiederbelebung des Marxismus?

Um die Marxisten im „Marxist Revival“ zusammenzuführen und den Marxismus für das 21. Jahrhundert neu zu definieren, müssen sie in einem Gemeinschaftsakt zwei Voraussetzungen erfüllen.

Erstens müssen sie den Wurzeln des Marxismus nachgehen und diese erforschen, wobei sie einseitige und parteiische Methoden vermeiden und nicht in das verfallen sollten, was Marx „ideologische Analyse“ genannt hat. Sie müssen die Auffassungen der Sozialisten vor Marx zusammen studieren, um klarzustellen, warum Marx sich von den Sozialisten, die vor ihm kamen, losgesagt hat. Ebenfalls müssen sie die Gründe für seinen Bruch mit den damals bestehenden Philosophien untersuchen und sich mit seiner Methode zur Analyse sozialer Probleme befassen. Diese Maßnahmen müssen unter den Marxisten gemeinschaftlich ergriffen werden.

Zweitens muss der Sozialismus in der Praxis des letzten Jahrhunderts begutachtet und aus den begangenen Fehlern müssen die nötigen Konsequenzen gezogen werden. Das heißt, den russischen und chinesischen Sozialismus zu analysieren, ebenso wie den in Kuba, Venezuela, Guerillakrieg usw. Dieser Prozess des Lernens muss ebenfalls kollektiv geschehen, ohne Voreingenommenheit und Einseitigkeit.

Im Rahmen einer solchen lehrreichen Selbstanalyse obliegt den Marxisten ihre ursprüngliche Pflicht, nämlich den Marxismus für das 21. Jahrhundert neu zu definieren.

Wie dem auch sei, ist es für diese Redefinition des Marxismus nicht ausreichend sich nur mit Wissen aus den historischen Wurzeln anzueignen und positive oder negative Lehren aus den Erfahrungen des 20. Jahrhundert zu ziehen. Nach Marx müssen die Marxisten auch in den kritisch revolutionären Praktiken des heutigen Kampfes der Arbeiterklasse auf internationaler Ebene involviert sein und auf dem Weg der Veränderung der aktuellen Situation intervenieren. Die Interventionen der Marxisten in der aktuellen Arbeiterbewegung können nur stattfinden, wenn die kritisch revolutionäre praktische Tätigkeit angewandt wird. Damit dies realisiert wird, muss es auf einem sozialistischen Programm gestützt sein. Ein sozialistisches Programm beinhaltet nicht nur Theorie, historische und internationale Erfahrung der Kommunistenbewegung, sondern vorwiegend auch bewusste Tätigkeit, wie die der Arbeiter selbst in ihrem Klassenkampf heute. Es ist gesagt worden, dass die Revolution ohne revolutionäre Theorie nicht erfolgreich sein wird. Und zwar kann revolutionäre Theorie ohne sozialistischem Programm nicht den Erfolg der Revolution garantieren. Diese Theorie selbst besteht aus zwei Teilen. Einem historischen und internationalen Teil und auch dem praktischen Inhalt der bewussten Tätigkeit des Proletariats. Diese beiden Teile der Theorie, welche ein sozialistisches Programm ausmachen sind absolut unerlässlich, weil das sozialistische Programm nicht aufgeschoben werden darf. Ohne ein organisatorisches Gerüst kann der Sozialismus nicht überleben, sondern wird von der Ideologie der herrschenden Klasse zerschmettert. Eine sozialistische Organisation ist der höchste Ausdruck des Überganges vom sozialistischen Programm zum aktuellen Kampf der Arbeiterklasse. Was für eine Form der Organisation kann es sein? Karl Marx erklärt im kommunistischen Manifest:

„Die Kommunisten sind also praktisch der entschiedenste, immer weitertreibende Teil der Arbeiterparteien aller Länder; sie haben theoretisch vor der übrigen Masse des Proletariats die Einsicht in die Bedingungen, den Gang und die allgemeinen Resultate der proletarischen Bewegung voraus.“

„Der nächste Zweck der Kommunisten ist derselbe wie der aller übrigen proletarischen Parteien: Bildung des Proletariats zur Klasse, Sturz der Bourgeoisherrschaft, Eroberung der politischen Macht durch das Proletariat.“

Die organisatorische Form, so meint es hier Marx, kann heute nichts anderes sein als die Vorhutpartei der „Arbeiter“.

Demnach, ist es die höchste Form der Vereinigung der Marxisten, wenn sie sich innerhalb der politischen Partei der Arbeiter mit einem sozialistischen Programm, basierend auf der Wissenschaft des Marxismus, organisieren. Es sollte hier hervorgehoben werden, dass die Massen in ihrem laufenden Kampf ein sozialistisches Bewusstsein erreichen und die Notwendigkeit einer sozialistischen Revolution sowie den Sturz des kapitalistischen Staates realisieren werden. Nach Marx wird die Vorhutpartei von den entschlossensten und gebildetsten Arbeitern organisiert, die sich in einem sozialistischen Programm zusammentun. Die Mitglieder dieser Partei finden sich nicht auf Grund vom „Marxismus“ zusammen, denn der Marxismus ist eine Wissenschaft. Er ist die theoretische Grundlage von Erkenntnis und der Veränderung der kapitalistischen Gesellschaft. Die Gültigkeit des Marxismus, wie auch bei anderen Wissenschaften, wird anhand von gegenwärtig verfügbaren Tatsachen bewertet. Demnach  werden sich Marxistaktivisten einem sozialistischen und praktischen Programm anschließen.

Allerdings sind die derzeitigen Zustände nicht bereit heute solch ein organisatorisches Gehäuse zu errichten. Aufgrund der Glaubwürdigkeitskrise des Sozialismus, Krise des Marxismus und dem Mangel an Arbeitervorhut in der Arbeiterbewegung sind die heutigen Zustände ungünstig für eine direkte Intervention in der Arbeiterbewegung in Richtung auf eine sozialistische Revolution. Aber es ist möglich eine Brücke zwischen der aktuellen und der idealen Situation aufzubauen. Marxist-Revival ist unser Vorhaben, um die Brücke aufzubauen, die uns von dem, wo wir sind, dahin bringen kann, wo wir sein wollen. Um für uns alle in diesem Projekt zu kooperieren, bräuchten wir eine Serie von Komponenten. So wie  in Marx‘ Idee, müssen diese in der sozialistischen Bewegung auf der einen Seite ablehnend gegenüber elitärem Denken und Utopismus auf der anderen Seite sein. Eine generelle Betrachtung dieser Komponenten erfolgt weiter unten. Wir glauben, dass die Akzeptanz dieser Komponenten beim Start des Prozesses der Vereinigung zwischen den Marxisten für das entgültige Ziel der Einigkeit und Einheit anhand eines sozialistischen Programmes helfen wird.

Auf der einen Seite beruhen die vier Komponenten auf Karl Marx‘ Ablehnung gegenüber der Sozialisten seiner Zeit und auf der anderen Seite repräsentieren sie die praktische Erfahrung der Arbeiterbewegung seiner Zeit. Die ersten drei Komponenten (Sozialismus als Wissenschaft, ein Sozialismus von „unten“ und ein Sozialismus, welche demokratisch ist) legen seine Ablehnung gegenüber der „von oben nach unten“-Sozialisten dar (sowie Babeuf, Saint-Simon und die utopischen Sozialisten) und die erste Komponente (um das Konzept der Ideologie zurückzuweisen) ist vorwiegend Marx‘ Schlussfolgerung hinsichtlich seiner Vergangenheit und der jungen Hegelianer (sowie Bruno Bauer und Ludwig Feuerbach). Die vierte Komponente (Radikalismus des Sozialismus) besteht aus der Erfahrung der Arbeiterkämpfe innerhalb der Arbeiterorganisationen, beispielsweise den Gewerkschaften, sowie der Rolle der Kommunisten beim Organisieren der sozialistischen Revolution und der Schlacht gegen den kapitalistischen Staat, besonders hinsichtlich der Erfahrung aus der Pariser Kommune 1871.

Ich sollte versuchen die historischen Wurzeln dieser Komponenten zu präsentieren, bevor ich zum Fazit komme.

Was waren die historischen Wurzeln von Marx‘ Ablehnung gegenüber dem Elitismus und Utopismus?

Die politische Bewegung der Arbeiter entstand auf der einen Seite aus dem kleinbürgerlichen Radikalismus und auf der anderen Seite aus spontanen gewerkschaftlichen Organisationen. Wenn wir annehmen, dass die Mutter dieses Kindes die Gewerkschaft ist und der Vater der kleinbürgerliche Radikalismus. So trennte sich das Kind bei seiner Geburt von sowohl der Mutter und dem Vater.

Der Grund hierfür ist die Tatsache, dass, obwohl die spontane Bewegung der Arbeiterklasse im 18. Und 19. Jahrhundert beim Fortschritt der Arbeiterkämpfe eine entscheidende Rolle spielte, sie den Widerstand der Arbeiter lediglich auf ein ökonomisches Bewusstsein beschränkten. Die gewerkschaftlich organisierten und ökonomischen Kämpfe der Arbeiterklasse hatten nie die Befreiung ihrer Klasse zur Folge, sondern leideten letzendlich unter dem Einfluss der Bourgeoisie und dem Kleinbürgertum. Das hatte zur Folge, dass die politische Bewegung der Arbeiterklasse gezwungen wurde sich entschieden und komplett von dieser Mutter für immer zu trennen.

Die politische Bewegung der Arbeiterklasse war einerseits das historische Produkt der kleinbürgerlichen Demokratie. Unter dem linken Flügel der Jakobiner entstand eine Gruppe, die sich gegen die Unterstützer der bourgeoisen Revolution stellte und den bourgeoisen Massenbetrug von „Gleichheit“ und „Brüderlichkeit“ enthüllte. Die allerersten politischen Ideen der Arbeiterklasse wurden von Babeuf und seinen Anhängern in der großen Französischen Revolution entworfen. Anfangs wirkten Marx und Engels selbst bei der Presse mit und tauchten in der Bewegung des ultralinken demokratischen Kleinbürgertums auf. Sich von radikal demokratischen Einflüssen des „Populismus“ entfernend bauten Lassalle und Wilhelm Liebknecht die ersten sozialen demokratischen Organisationen in Deutschland auf. Plekhanov, der Vater des „Russischen Marxismus“ und der Gründer der politischen Bewegung der russischen Arbeiter, war anfangs ein Mitglied der populistischen „Land and Freedom“ Organisation. In England kamen die Gründer der politischen Arbeiterbewegung oft aus dem kleinbürgerlichen Radikalismus.

Während Syndikalismus die Arbeiterbewegung beschränkte, befriedigte der kleinbürgerliche Radikalismus die Interessen der kleinen unabhängigen Hersteller. Die radikalen kleinbürgerlichen Ideen des 19. Jahrhunderts hinderten den kontinuierlichen Kampf der Arbeiterklasse für ihre eigenen Interessen.

Nach dem Verwerfen der Ideen der reaktionären, feudalen Bourgeois und anderen Sozialisten im Kommunistischen Manifest, kritisierte Marx insbesondere die radikalen Sozialisten, die in den Arbeiterkämpfen verwickelt waren (Marx selbst war zuvor von einigen Ideen der radikalen Sozialisten beeinflusst). Marx hinterfragte die radikal sozialistischen Ideen mit einer kritisch-revolutionären Sichtweise. Zuerst kritisierte er die Sozialisten mit radikal kleinbürgerlicher Vergangenheit, die aus den Gruppen waren, die hauptsächlich in der großen Französischen Revolution involviert waren und Babeuf (den Linksflügel der Jakobiner) unterstützten und deren Nachfolger die Blanquisten waren. Diese radikalen Sozialisten argumentierten, dass die Arbeiterklasse grundsätzlich nicht im Stande wäre eine weitere Revolution durchzumachen, weil sie bereits während der Französichen Revolution besiegt wurde. Die rechten Jakobiner nutzten die Arbeiterklasse, jedoch konnten sie diese nicht zum Sieg führen. Daher war ein neuer Weg benötigt. Demnach glaubte Babeuf, die Lösung der Kommunisten läge in den Händen einiger Elitisten und Experten sozialistischer Angelegenheiten. Die sozialistischen Elitisten würden auf verschiedene Weise, beispielsweise durch Terroristen oder radikale Methoden, die Fähigkeit erlangen, den kapitalistischen Staat zu stürzen und dann selbst (ohne die Arbeiterklasse) dazu überrgehen eine „provisorische Diktatur“, oder eine „pädagogische Diktatur“ zu errichten. Mit anderen Worten, werden diese sozialistischen Elitisten, welche kommunistische und sozialistische Aktivisten sind, dann die Macht übernehmen.

Eine der ersten Kritiken von Marx war an diese Theorie gerichtet. Er kritisierte diese Absicht scharf und kompromisslos, wobei er erklärte, dass durch  verschwörerische Putsche und Operationen, die abhängig sind von einer Anzahl von Elitisten, eine sozialistische Revolution nicht erreicht werden kann. Dies würde in Wirklichkeit das Ziel durchkreuzen. Wir Kommunisten bauen grundsätzlich auf die Masse der Arbeiter. Wenn diese allerdings der Durchführung der Revolution nicht beitreten, kann es ein Elitist nicht für sie übernehmen (Wie Marx sagte: „Die Befreiung der Arbeiterklasse muss das Werk der Arbeiterklasse selbst sein“). Marx kritisierte diese Positionen der Elitisten in entschiedenster Weise.

Folglich, nach der Ablehnung des elitären Sozialismus, machte Marx den ersten Schritt dahin, den Marxistischen Sozialismus aufzustellen.

Der nächste Schritt war es sich die utopistischen Sozialisten vorzunehmen. Diese Sozialisten, wie etwa Saint-Simon, der anders als die kleinbürgerlichen Sozialisten glaubte, dass Revolution nutzlos wäre und nur Chaos und Blutvergießen bringen würde. Er argumentierte, dass solch extreme Methoden nicht notwendig seien und Wege gefunden werden müssten, um Revolutionen zu vermeiden. So wie Saint-Simon es sich dachte, sollten einige vermögende Sozialisten eine ideale Welt (Utopie) aufstellen und dann würde sich der Sozialismus durch friedliche Aushandlung und die Herbeiführung eines Wohlfahrtsstaates Schritt für Schritt und etappenweise aufstellen. Mit anderen Worten, treffen sich Intellektuelle und erreichen den Sozialismus vernünftig und ohne Revolution, Chaos und Blutbad.

Marx lehnte auch diese Idee ab. Und zwar nicht nur diese Theorie im speziellen, sondern auch alle anderen ähnlichen Theorien, beispielsweise die von Robert Owen aus Großbritannien. Diese utopistischen Sozialisten bewirkten möglicherweise einige positive Veränderungen. Zum Beispiel in Lanark (Schottland) hatte Robert Owen, der selbst ein Kapitalist war, eine Fabrik, in der die Arbeiter ihre Arbeitskraft zwar nicht verkauften, aber sie freiwillig zur Befriedigung ihrer Grundbedürfnisse eintauschten. Sie wurden also nicht ausgebeutet und hatten ein verhältnismäßig höheres Einkommen; auch die Produktionsrate war relativ hoch. Allerdings gab es in diesen Gemeinschaften keinen Platz für individuelle Kreativität der Arbeiter. Alle mussten die gleiche Uniform tragen, gleich aussehen und die gleiche Kultur akzeptieren. Genau dies war das Problem, gegen das Marx Einwände hatte und deswegen diese Methode für reaktionär erklärte. Er stand grundsätzlich gegen diese utopistischen Sozialisten und lehnte sie ab.

All die kleinbürgerlichen, utopistischen Sozialisten hatten eine Gemeinsamkeit. Sie hatten einen komplett undemokratischen Denkansatz, wenn es darum ging ihren idealen Sozialismus aufzubauen. In Wirklichkeit waren sie Elitisten, die die Macht übernehmen wollten, oder die Schöpfungskraft der Arbeiterklasse nicht erkannten. Sie setzten voraus, dass die Arbeiterklasse in die Form und das Muster, den die Elitären im Sinn hatten, passen sollte, um den Sozialismus zu erreichen. Demnach wurden sie von Marx „utopistische Sozialisten“ genannt.

So ist die Geschichte des Marxistischen Sozialismus ein Synonym für die Ablehnung der kleinbürgerlichen, elitären, utopistischen und modernistischen Ideen einiger Intellektuellen. Beruhend auf die Komponenten des Sozialismus, diskutierte Marx diese Methode, einen Sozialismus aufzubauen, mit seiner kritisch-revolutionären Methode viele Male in seinem Leben.

Marx und Engels waren unter den ersten Kommunisten, die ihre Organisation vom kleinbürgerlichen Radikalismus auf theoretischer und politischer Ebene trennten. Sie schrieben 1850 folgendes zum kleinbürgerlichen Radikalismus:

„1. Im gegenwärtigen Augenblicke, wo die demokratischen Kleinbürger überall unterdrückt sind, predigen sie dem Proletariat im allgemeinen Einigung und Versöhnung, sie bieten ihm die Hand und streben nach der Herstellung einer großen Oppositionspartei, die alle Schattierungen in der demokratischen Partei umfasst, das heißt, sie streben danach, die Arbeiter in eine Parteiorganisation zu verwickeln, in der die allgemein sozial-demokratischen Phrasen vorherrschend sind, hinter welchen ihre besonderen Interessen sich verstecken und in der die bestimmten Forderungen des Proletariats um des liebe Friedens willen nicht vorgebracht werden dürfen. Eine solche Vereinigung würde allein zu ihrem Vorteile und ganz zum Nachteile des Proletariats ausfallen.“

„Während so die Utopie, der doktrinäre Sozialismus, der die Gesamtbewegung einem ihrer Momente unterordnet, der an die Stelle der gemeinschaftlichen, gesellschaftlichen Produktion die Hirntätigkeit des einzelnen Pedanten setzt und vor allem den revolutionären Kampf der Klassen mit seinen Notwendigkeiten durch kleine Kunststücke oder große Sentimentalitäten wegphantasiert, während dieser doktrinäre Sozialismus, der im Grunde nur die jetzige Gesellschaft idealisiert, ein schattenloses Bild von ihr aufnimmt und sein Ideal gegen ihre Wirklichkeit durchsetzen will, während dieser Sozialismus von dem Proletariat an das Kleinbürgertum abgetreten wird, während der Kampf der verschiedenen Sozialistenchefs unter sich selbst jedes der sogenannten Systeme als anspruchsvolle Festhaltung des einen der Durchgangspunkte der sozialen Umwälzung gegen den anderen herausstellt – gruppiert sich das Proletariat immer mehr um den revolutionären Sozialismus, um den Kommunismus, für den die Bourgeoisie selbst den Namen Blanqui erfunden hat. Dieser Sozialismus ist diePermanenzerklärung der Revolution, die Klassendiktatur des Proletariats als notwendiger Durchgangspunkt zur Abschaffung der Klassenunterschiede überhaupt, zur Abschaffung sämtlicher Produktionsverhältnisse, worauf sie beruhen, zur Abschaffung sämtlicher gesellschaftlichen Beziehungen, die diesen Produktionsverhältnissen entsprechen, zur Umwälzung sämtlicher Ideen, die aus diesen gesellschaftlichen Beziehungen hervorgehen.“

Was sind die Komponenten von Marxist Revival?

Erste Komponente: Marxistischer Sozialismus ist eine Wissenschaft. Er ist weder eine Strebung, ein soziales Modell, oder eine festgelegte Ideologie noch ein vorbestimmter Entwurf, der von oben aufgezwungen wird. Der marxistische Sozialismus basiert, wie auch andere Wissenschaften auf einer genauen Analyse der existierenden Realität, welche dynamisch ist. Der marxistische Sozialismus beruht auf einem Programm zur Umwandlung der kapitalistischen Gesellschaft. Er geht aus von der lebendigen Praxis der kritisch-revolutionären Kritik der unterdrückten Massen der Gesellschaft und  definiert ein Programm zur Umwandlung der gegenwärtigen Gesellschaft in eine neue. Der marxistische Sozialismus ist in der Tat die Wissenschaft die kapitalistische Gesellschaft zu begreifen und umzuwandeln. Er ist die Wissenschaft, um den kapitalistischen Betrieb der Produktion abzubauen und es durch einen neuen sozialistischen Betrieb der Produktion zum Vorteil und zum Wohl aller Menschen der Welt zu ersetzen. In einem sozialistischen Gebilde sind soziale Klassen und somit der Staat verschwunden und das Gesetz der Wertigkeit operiert nicht, Handelsgüter werden durch Nutzwerte und Produkte der Arbeit ersetzt. Der Besitz der Produktionsmittel in der Gesellschaft nimmt einen sozialen und kollektiven Charakter an und die Entscheidungsgewalt über gesellschaftliche Angelegenheiten wird von den Menschen in demokratischer Weise selbst ausgeübt.

Wissenschaftlicher Sozialismus ist rational. Er beginnt nicht mit einer Utopie. Er hat keine festgelegte Formel für die Befreiung der Menschheit. Marx sagt wir erleben heute, dass  der Kampf der Arbeiter, aufgrund der Logik des Kampfes in einem Sozialismus endet. Der Sozialismus geht aus dem Herzen der Arbeiterbewegung hervor. Das Proletariat verwandelt sich selbst im Prozess seiner kontinuierlichen Klassenkämpfe. Das Proletariat, das wir heute sehen, das in den Augen einiger Elitisten „ungebildet“ und „entmutigt“ ist, wird nach Marx in seinen kontinuierlichen Klassenkämpfen Bewusstsein erlangen und heranreifen, um die politische Herrschaft zu übernehmen.

Marx erklärt, dass wir ausgehend von einer objektiven Erkenntnis der gravierenden sozialen Missstände die Richtung der vorherrschenden gesellschaftlichen Tendenzen identifizieren müssen. Die Neigungen, die weiter als die gegenwärtige Situation gehen, sollten durch die Intervention der Kommunisten bestärkt werden (Die Vorhutpartei der Arbeiter). Im Bewusstsein unserer bisher im Klassenkampf errungenen Siege können wir die Arbeiterklasse dabei unterstützen, sich die zur Klassenherrschaft nötigen Kompetenzen anzueignen. Der marxistische Sozialismus ist wissenschaftlich, weil wir diese Entwicklungen entsprechend der derzeitigen Situation durchführen müssen.

Zweite Komponente: Der marxistische Sozialismus ist mit der Arbeiterbewegung verbunden und formiert sich von unten, wobei er die überheblichen intellektuellen „Eliten“  und „Theoretiker“ nicht anerkennt, welche nichts mit der Arbeiterbewegung zu tun haben. Der marxistische Sozialismus verurteilt den Elitismus. Er weist die Intellektuellen zurück, die annehmen, sie könnten Entscheidungen im Interesse der schuftenden Massen treffen und die Rolle eines Erziehers spielen, ohne selbst unterrichtet zu werden. Der ursprüngliche Marxismus glaubt an das Prinzip der Selbstbefreiung der Arbeiter. Es ist korrekt von Marx zu sagen, dass die Emanzipation der Arbeiterklassen von ihnen selbst erreicht werden muss. Der Marxismus respektiert die individuelle Kreativität und Innovation der Arbeiter und von jedem in der Gesellschaft. Er sieht die Stellung der Klasse als einzigen fundamentalen Unterschied an und nicht die Unterschiede  in Nationalität, Sprache, Rasse, Religion usw. Der wirkliche Marxismus glaubt nicht, dass der Arbeiterklasse das sozialistische Bewusstsein von einigen Intellektuellen außerhalb ihrer Klasse eingeflößt werden kann. Im direkten Gegensatz zur Glaubensmeinung der traditionellen Linken glaubt Marx, das sozialistische Bewusstsein entsteht aus der Arbeiterklasse selbst und die praktischen Führer der Arbeiter sind ihre echten Führer und nicht die pompösen Retter, die eigentlich keinen Kontakt zur Arbeiterbewegung haben, aber sich selbst als Beschützer der Arbeiterklasse sehen.

Marxismus basiert auf einen Sozialismus von unten und nicht auf Elitisten. Die revolutionäre Vorhut, die Marx im Sinn hatte, war absolut nicht so, dass einige Einzelne von außerhalb sich der Arbeiterbewegung aufdrängen und politische Macht übernehmen.

Ausgehend von der kritisch-revolutionären Tätigkeit der schuftenden und in sozialer Produktion beteiligten Massen, beabsichtigte der Marxismus die Gesellschaft zum Sozialismus fortzuentwickeln. Die Techniken zur Massenbeeinflussung und Gesellschaftsmodellierung, die einige „Wissenschaftler“ und „Professoren“ vorgelegt haben, richten sich ausdrücklich gegen diese Auffassung. Marx sagt aus, dass wir eine sozialistische Gesellschaft aufbauen müssen, die durch die kritisch-revolutionäre Tätigkeit des echten Menschen vorankommt. Der marxistische Sozialismus baut von unten auf und hat nichts mit einer Diktatur gemeinnütziger Personen von oben zutun. Der Marxismus  glaubt nicht an monolithische und ideologische Menschen. Der einzige Weg einen Sozialismus zu erreichen war für Marx der, dass die Menschen die Kontrolle über ihr Schicksal in allen Bereichen einschließlich die ökonomischen Sphäre übernahmen. Der Sozialismus umfasst alle Aspekte der zivilen Gesellschaft. Natürlich sind es die Kämpfe der Arbeiterklasse, welche dieses Ziel historisch verwirklichen werden, aber das Bild einer  sozialistischen Gesellschaft, das uns vorschwebt ist dieses: das vollständige Verschwinden aller Klassen in der Gesellschaft, einschließlich des Proletariats. Die revolutionäre Diktatur des Proletariats ist ein Mittel, um die Klassen zum Verschwinden zu bringen. Die Arbeiterklasse ist die einzige Klasse mit einer tragfähigen revolutionären Prognose, einfach weil die Arbeiterklasse durch die Logik ihrer Kämpfe zu dieser Schlussfolgerung gelangt.

Dritte Komponente: Der marxistische Sozialismus ist vollständig demokratisch. Er glaubt an unabhängige Arbeiterorganisationen und demokratische Rechte für jeden. Er steht für das Recht eine Fraktion zu bilden und eine eigene Meinung zu äußern, und zwar für jeden. Der authentische Marxismus glaubt, dass der Prozess der Umwandlung vom Kapitalismus zum Sozialismus nicht möglich sein wird, ohne eine Demokratie anzuwenden, die besser ist, als die oberflächliche Demokratie der Bourgeoisie. Das bedeutet, dass politische Demokratie, verflochten mit ökonomischer Demokratie, in der jeder aus der Gesellschaft politische und ökonomische Gleichberechtigung genießt, existiert. Redefreiheit, Presse und demokratische Rechte sind dann für alle Menschen und nicht mehr nur für eine Partei, einer Anzahl von Personen oder eine besondere Klasse. Der marxistische Sozialismus benötigt weder Gewaltherrschaft noch Diskriminierung und erhebt keinen Anspruch auf diktatorische Herrschaft. Das Konzept der „Diktatur des Proletariats“ von Marx wurde von der Bourgeoisie und dem Kleinbürgertum verzerrt, vor allem von den Stalinisten. Was Marx mit der staatlichen „Diktatur des Proletariats“ gemeint hat, war nicht, dass der proletarische Staat eine „Diktatur“ erzwingt, wie das Konzept der Tyrannei von der Bourgeoisie und dem Stalinismus. Was er gemeint hat, war, dass das Proletariat ein „Vetorecht“ hat und sich nicht dem Despotismus beugen muss. Mit anderen Worten: Der Ausdruck „Diktatur des Proletariats“ bezeichnet die höchste Form von Demokratie, die je in der Geschichte existiert hat. Anders als die bourgeoise Demokratie, welche haargenau eine Diktatur ist und vom Wille der Minderheit der Mehrheit der schuftenden Menschen der Gesellschaft auferlegt wurde, ist die Stärkung der Arbeiterdemokratie (revolutionäre Diktatur des Proletariats) die einzige Form einer Regierung, die die Rechte aller Menschen, einschließlich der Opposition, respektieren kann. Wie dem auch sei, nachdem der kapitalistische Staat gestürzt wurde und die Umwandlungsperiode vom Kapitalismus zum Sozialismus begonnen hat, wird der neue Arbeiterstaat (sowjetische Regierung) sich gegen die konterrevolutionären Vorbereitungen einer kleinen Minderheit und ihren repressiven Apparat (Polizei und Geheimdienste) zur Wehr setzen und mit Entschiedenheit die von der Mehrheit der Gesellschaft erlangten Rechte verteidigen und diese Rückkehr verhindern.

Der marxistische Sozialismus ist demokratisch. Sozialismus kann nicht mit Bajonetten realisiert werden. Marxistischer Sozialismus glaubt an unabhängige Arbeiterorganisationen. Marx war der erste Sozialist, der diese Organisationen, sprich Gewerkschaften, verteidigte. Obgleich sie die vorfindliche Situation zu verbessern versuchen, sind diese Gewerkschaften die einzigen Organisationen, die es ermöglichen den Arbeitern einen Fortschritt in ihrem Bewusstsein zu machen. Der Marxismus glaubt an bewusste Interventionen. Das Konzept der „Vorhut“ ist nach Marx‘ Auffassung nicht dazu gedacht, dass manche die Bewegung der Arbeiter übernehmen und sich „Anführer“, „Professoren“ und „Eliten“ nennen und versuchen jeden anderen zu belehren, sondern sie sollen eine gute Einschätzung, sowie ein gutes Verständnis für die gegenwärtigen Situationen und Tendenzen haben. Das heißt, sie arbeiten mit einer wissenschaftlichen Analyse und mit Verständnis innerhalb der Bewegung und bringen sie Schritt für Schritt zur sozialistischen Revolution. Was Marx mit „Vorhut“ gemeint hat ist, dass sie in der präsenten Situation und nach den Ansprüchen der Arbeiter interveniert und sie in ihrem nächsten Schritt zur Hilfe schreitet. Die Vorhutkommunisten stehen in der ersten Reihe der antikapitalistischen Front und haben die entschlossenste Einstellung – ihr einziger Vorteil ist die Tatsache, dass sie über eine realistische Perspektive verfügen und das endgültige Ziel vor Augen haben. Marx legte dar, dass die Kommunisten keine separate Bewegung zur Arbeiterklasse darstellen. Sie intervenieren in der Bewegung, so wie sie sie vorfinden, aber mit dem Recht die eigenen Anschauungen verteidigen zu dürfen und den Kommunismus auf demokratischer Basis umzusetzen.

In der Ersten Internationale war das Recht auf persönliche Interpretation anerkannt: Die Anhänger von Proudhon und Bakunin und sogar die europäischen Sozialisten argumentierten gegen Marx. Jedermanns Rechte wurden offiziell anerkannt.

Die ganze Menschheit sollte das Recht haben zu intervenieren, nicht nur die Arbeiterklasse. Wohingegen bei der politischen Revolution, die politische Macht durch das Proletariat und das Arbeitergremium erobert wird, muss die soziale Revolution auf dem Weg zum Sozialismus durch alle Menschen geschehen. Dies ist nicht möglich, sofern nicht jeder in der Gesellschaft im Entscheidungsprozess interveniert und die Macht in allen gesellschaftlichen Schichten der Arbeiterklasse verteilt ist.

Vierte Komponente: Der marxistische Sozialismus ist radikal und revolutionär. Er bringt die Arbeiterbefreiung außerhalb des gesetzlichen Rahmens. Er steht für das Zertrümmern des kapitalistischen Herrschaftsapparates. Er sucht politische Kämpfe in den Straßen, in Streiks und Revolutionen auf und nicht hinter verschlossenen Türen  von Versammlungen der Intellektuellen, die nicht in Kontakt zur derzeitigen antikapitalistischen Bewegungen stehen. Der marxistische Sozialismus steht für die Vorbereitung der Arbeiterklasse für Generalstreiks und das Aufrüsten der Massen für den Massenaufstand und den Sturz des kapitalistischen Staates.

Revolutionärer Marxismus glaubt an die Massenbewegung. Revolution bedeutet, die Massen auf den Straßen zu haben. Marxismus glaubt daran, über die existierenden legalen Institutionen hinaus zu gehen und das Herrschaftsapparat zu zerschlagen. Marx zog folgende Lehren aus der Pariser Kommune 1871. Durch Verwendung des existierenden Herrschaftsapparates können die Massen keinen Sozialismus erreichen. Das Proletariat muss den Herrschaftsapparat der Bourgeoisie zerstören. Der Marxismus glaubt, dass die Legislative, Judikative und die Exekutive integriert werden müssen. Der Gesetzgeber muss das Gesetz verabschieden, nicht irgendwelche Bürokraten, Professoren und Intellektuellen. Anders ausgedrückt: Die Staatsbürokratie muss abgebaut werden. Marx sagte, dass freie Vereine der Massen, die unabhängig produzieren, die Gesellschaft organisieren sollten. Die Russische Revolution im Jahre 1917 bildete diese Art von Regierung durch das Organisieren der Räte (Sowjets) der Arbeiter.

Der Marxismus glaubt ebenfalls, dass ökonomischer Sozialismus keine nationale Angelegenheit ist und auf der internationalen Ebene realisiert werden muss. Marx behauptete, dass der Sozialismus, wenn er nicht auf internationaler Ebene entsteht, „zum alten Elend“ zurückkehren wird, weil die Bourgeoisie ein internationales Phänomen ist. Wenn Kommunismus nicht auf internationaler Ebene etabliert ist, dann wird nur die Armut global verteilt. Die sozialistische Arbeiterrevolution kann sogar in einem unentwickelten Land auftreten, aber der Aufbau des Sozialismus muss auf internationaler Ebene geschehen.

Fußnote:

1.http://www.marxists.org/archiv/marx/werke/1848/kommunistische- manifest

2.http://www.marxists.org/archiv/marx/werke/1845/thesen/thesen

3.http://www.marxists.org/archiv/marx/werke/1848/kommunistische-manifest

4.http://www.marxists.org/archiv/marx/werke/1847/kommunistische-bündnis

5.http://www.marxists.org/archiv/marx/werke/1850/klassenkampf in Frankreich

 

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